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Gefährliches Spielzeug im Online-Handel im Fokus

Bayern startet eine neue „Qualitätsoffensive Spielzeug“. Dabei steht mit Beginn des Weihnachtsgeschäfts insbesondere der Online-Handel mit Spielzeug im Fokus.

„Wir legen ein besonderes Augenmerk auf den Schutz unserer Kinder. Spielzeug muss sicher sein. Aktuell nehmen wir gezielt das Internet in den Blick. Gefährliches Billigspielzeug von außerhalb der Europäischen Union wird hauptsächlich über den Online-Handel angeboten. Ziel unserer Qualitätsoffensive ist, diese Produkte frühzeitig vom Markt zu nehmen“,

sagte Bayerns Verbraucherschutzminister Thorsten Glauber heute in München.

Gleichzeitig sorgt der Freistaat mit seiner Initiative für faire Wettbewerbsbedingungen für die heimischen Spielzeugunternehmen.

In den zurückliegenden Jahren stammte als gefährlich eingestuftes Spielzeug oft aus unseriösen Quellen oder von dubiosen Herstellern, die die europäischen Sicherheitsstandards umgehen und die Online-Plattformen für ihr Geschäft nutzen.

„Wir wollen die schwarzen Schafe aus dem Verkehr ziehen. Dazu spannen wir mit Hilfe der künstlichen Intelligenz ein elektronisches Netz“,

so Glauber weiter.

Neben neu zum Einsatz kommenden Softwarelösungen, die effektiv den Markt durchforsten, sind auch Schwerpunktaktionen vor Ort geplant: Hier stehen Überprüfungen bei Händlern im Vordergrund.

Qualitätsoffensive Spielzeug steht auf sechs Säulen

1. Marktüberwachung Online-Handel ausdehnen, KI gezielt einsetzen

Spielwaren sind ein wichtiges Handelsgut. Der Jahresumsatz der Spielwarenbranche lag 2020 allein in Deutschland bei rund 3,7 Milliarden Euro. Gerade der Online-Handel hat in den letzten Jahren rasant zugenommen, nicht zuletzt durch Corona. Im Vergleich zum Vorjahr ist der Umsatz im Jahr 2020 um rund 23 Prozent gestiegen. Neben dem Einsatz Künstlicher Intelligenz im Internet wird die Marktüberwachung gezielt Plattformbetreiber in die Pflicht nehmen, um mangelhaftes Spielzeug aus dem Angebot zu entfernen.

2. Zusammenarbeit im bundesweiten Netzwerk Spielzeugsicherheit intensivieren

Bund und Länder, Wirtschaftsakteure, Verbände, Benannte Stellen und Marktüberwachungsbehörden haben bei dem Thema Spielzeugsicherheit unterschiedliche Aufgaben und Pflichten. Nur das enge Zusammenspiel aller Akteure kann spürbare Verbesserungen bewirken. Diese Zusammenarbeit soll weiter intensiviert werden. Ziel ist ein gemeinsames Netzwerk der Beteiligten für einen engen und unmittelbaren Austausch. Ein entsprechendes Treffen der Behörden ist in Nürnberg vor Beginn der kommenden Spielwarenmesse 2022 geplant.

3. Laborkapazitäten ausbauen

Ziel ist es, im Rahmen der Qualitätsoffensive die Laborkapazitäten am Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) weiter auszubauen. Mit Beginn des Jahres 2022 sollen bis zu 500 Untersuchungen pro Jahr durchgeführt werden, um beispielsweise Entflammbarkeit, Reißfestigkeit oder ablösbare Kleinteile zu prüfen. Zudem sollen neue Prüfgeräte angeschafft werden, um insbesondere sogenannte Geschossspielzeuge untersuchen zu können. Denn ab einer bestimmten Geschossenergie sind Produkte nicht mehr als Spielzeug einzustufen, sondern als Waffen nach dem Waffengesetz.

4. Prävention stärken

In Bayern findet mit der Nürnberger Spielwarenmesse seit vielen Jahren die weltweit größte Messe der Branche statt. Die Messe bietet einen optimalen Ansatzpunkt, um Gefahren bereits vor dem Marktzugang neuer Produkte zu erkennen. Beispielsweise wurden dort im Jahr 2020 rund 200 Händler besucht und beraten und rund 700 Produkte bewertet. Diese Zahlen sollen weiter gesteigert werden.

5. Verbraucheraufklärung vorantreiben

Je umfassender Verbraucher informiert sind, desto besser können sie entscheiden. Dazu wurde die Broschüre „Sicher macht Spaß – Tipps für den Spielzeugkauf“ neu aufgelegt. Wie sicheres Spielzeug im Online-Handel erkannt werden kann, steht im Mittelpunkt des Beratungsangebotes. Auch das Verbraucherportal Bayern informiert zu diesem Thema.

6. Nationale und Europäische Politik mitgestalten

Um bestmögliche Sicherheit für Kinder auch durch klare gesetzliche Regelungen zu erreichen, wird sich Bayern bei der grundlegenden Überarbeitung des zentralen EU-Leitliniendokuments „Spielzeug, das für Kinder über und unter 36 Monaten bestimmt ist“ einbringen. Ziel ist, eine Hilfestellung für die Abgrenzung von Spielzeug für unter 3-Jährige zu schaffen, das in der Praxis noch strengere Anforderungen erfüllen muss.